| Ein "Neuer" Aequidens aus Kolumbien | |||||
| von Ingomar Kranz | |||||
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Aequidens sp. "Mitu", ist bisher nur von den Fundorten der von uns gefangenen Exemplare bekannt. Die Fundortstellen liegen alle im Rìo Cuduyari, der in der Nähe der Ortschaft Mitu in den Rio Vaupès mündet (Kolumbien). Der Cuduyari war etwas klarer als der Rio Vaupès. Doch zum Schnorcheln reichte die Sichtweite nicht aus. Der pH-Wert lag deutlich im sauren Bereich, und das Wasser war extrem arm an gelösten Mineralien (pH 4.8 Grad dGH 4.5 Grad, KH . Wassertemperatur 29,5 Grad Celsius ). Wir konnten Aequidens sp. "Mitu". in Ufernahen Bereichen, die reich an Versteckmöglichkeiten waren und ausreichend Deckung boten, fangen. Wasserpflanzen waren nur vereinzelt in flachen Bereichen vorhanden. In Ufernähe bedeckte Laub den Boden des Rio Cuduyari. Wurzeln, abgestorbene Äste und Zweige erschwerten unsere Arbeit mit dem Zugnetz. Wir konnten nur in Ufernahen Zonen fischen, in denen das Wasser langsam floß, da die Strömung in weiten Teilen des Flusses nicht ungefährlich war. Zur begleitenden Ichthyofauna gehörten Geophagus sp. , Crenicichla sp. . Cichla sp., Apistogramma brevis ( ?.), Erythrinus erythrinus, Hoplias malabaricus, Metynnis sp. Serrasalmus sp., Messerfische,Synbranchus marmoratus, Amblydoras honcocki, Curimata, verschiedene Leporinus, und Hemiodopsis, Scheibensalmler (zwei Arten), Hyodrolycus pectoralis ('?). Carnegiella strigata fasciata soweit viele weitere kleine Salmler. Auffallend war, daß wir nur einen einzigen Wels der Gattung Hypostomus sahen, den ein Indio mit anderen Fischen, die für den Kochtopf bestimmt waren, an einer Schnur befestigt hatte. Warum wir im Rio Cuduyari und im Rìo Vaupès nur sehr wenige Loricariiden fingen, ist uns bis heute ein Rätsel.
Haltung im Aquarium Leider gelang es uns nicht, eine genügend große Anzahl Tiere von dieser neuen Aequidens-Art in geeigneter Transportgröße zu fangen, so daß letztlich nur zwei Exemplare den Weg in meinen Fischkeller fanden. lch pflege diese Cichliden nun schon seit über zwei Jahren, GIücklicherweise handelt es sich um ein Paar, das auch schon viermal gelaicht hat. Es wurden jeweils I00 bis 120 Eier auf einem rundlichen Stein abgelegt und von beiden Elterntieren abwechselnd bewacht. Die Anzahl der auf dem Stein abgelegten Eier nahm jedoch regelmäßig nach dem Ablaichen ab, bis am dritten Tag alle Eier verschwunden waren. Ich halte die Fische in einem Becken mit den Maßen 80 x 50x 50 Zentimeter, das sie sich mit drei Corydoras rabauti teilen. Als Bodengrund verwende ich eine Mischung aus grobem Kies und Sand. Größere, runde Steine und Moorkienwurzeln sind so zusammengestellt, daß sich einige Versteckmögklichkeiten ergeben, die vor allem das Weibchen gern aufsucht. Da dieser Buntbarsch sich an großen, robusten Pflanzen nicht vergreift, kann man geeignete Wasserpflanzen zur Dekoration des Aquariums verwenden. Bei mittleren Härtegraden lassen sich diese Fische problemlos halten. Zur Zucht sollte man ihnen aber weiches Wasser und einen pH Wert im Sauren Bereich anbieten. Aequidens sp. "Mitu" ist relativ friedlich und kann gut mit anderen friedfertigen südamerikanischen Cichliden vergesellschaftet werden. Als Allesfresser sind diese Cichliden bei der Fütterung nicht heikel und fressen alle von mir angebotenen Futtersorten, wie zum Beispiel Mysis, rote und weiße Mückenlarven, kleine Garnelen, Trockenfutter und Sticks. Untereinander verhält sich mein Paar relativ friedlich. Das Weibchen wird zwar manchmal vom Männchen gejagt, aber es kommt nicht zu ernsthaften Verletzungen, wie ich es bei anderen Cichliden schon erlebt habe. Auch die Corydoras rabauti werden nicht atackiert, wenn sie das Brutrevier der Aequidens durchschwimmen. Bei 26 bis 28 Grad Celsius fühlen sich die Buntbarsche wohl. Zur Zucht kann man die Temperatur um 2 Grad Celsius erhöhen. Wichtig sind einge Verstecke , in die sich das Weibchen zurückziehen kann, wenn das Männnchen es zu sehr bedrängt. Bei einem pH Wert von 6,4 und einer dGH von 8 Grad hat mein Paar willig abgelaicht. Arttypische Merkmale Das Männchen mißt etwa 15, das Weibchen zwölf Zentimeter Gesamtlänge. Deutliche sekundäre Geschlechtsmerkmale gibt es nicht. Männchen und Weibchen sind weitgehend identisch gefärbt und |
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| geformt. Das Männchen ist etwas größer und bulliger. Die Dorsale und die Anale sind bei ihm länger, bis zum Ende der Caudale, ausgezogen. An Jungtieren sind die Geschlechter kaum zu unterscheiden. Beide besitzen ein durchgehendes Körperlängsband vom Auge bis zur Schwanzwurzel. In der oberen Hälfte der Schwanzwurzel liegt ein dunkler Fleck, der beim Männchen, stimmungsabhängig, nicht immer zu erkennen ist. Die Ventralen reichen bis zum Anfang der Anale. Die Anale trägt einen schwarzen Saum. Die Caudale ist gerundet. in der Mitte gestutzt. Alle Flossen, bis auf die Pectoralen, sind gelborange und mit kleinen, hellblauen Flecken gemustert. Die Brustflossen sind orange. Die Kiemendeckel tragen türkisfarbene Flecke unerschiedlicher Größe. Die Schuppen sind gelborange bis hellbraun und türkis gerandet. Über dem Längsband sind die Fische hellbraun bis orange getönt, unterhalb des Längsbandes hell türkis. Das Weibchen zeigt immer einen dunklen Seitenfleck, der von zwei hellen vertikalen Binden begrenzt wird. Seine Körperfarbe ist deutlich dunkler.
Fortpflanzung Bei der Fortpflanzung zeigen beide Geschlechter einen interessanten Farbwechsel. Wenn die Fische ablaichen, besitzen beide Elterntiere eine fast schwarze Färbung des gesamten Kopfbereiches. Der Körper hellt etwas auf. Da ich diese Beobachtung auch bei laichenden Aequidens pallidus machen konnte und auch andere Anzeichen darauf hindeuten (Anzahl der abgelegten Eier, Größe der Eier, kein Auswerfen von kleinen Gruben für die Larven). vermute ich, daß es sich bei Aequidens sp. "Mitu" um einen larvophilen Maulbrüter handelt. Während ich bei Aequidens pallidus Jungtiere im Maul der Elterntiere erkennen konnte, ist mir dies bei Aequidens sp. "Mitu" leider noch nicht gelungen. Nun gibt es gerade in der Gattung Aequidens Eigenmann & Bray, 1894 nach der Revision von Kullander einige Arten, die sich bisher nicht regelmäßig oder nur in Ausnahmefällen züchten lassen. Zur Zeit sind in der Gattung Aequidens ( sensu stricto) über 20 Arten zusammengefaßt, von denen einige nur selten, falls überhaupt, für die Aquaristik eingeführt worden sind (zum Beispiel A. chimantanus, A. diadema, A. rondoni, A. viridis, A. plagiozonatus und A. tubicen). Nur wenige dieser Arten sind einmal im Handel erhältlich und wenn, dann als Beifänge in anderen Cichlidenlieferungen. Insbesondere die larvophilen Maulbrüter, wie Aequidens pallidus und Aequidens diadema, lassen sich bisher nicht oder nur sehr selten vermehren. Aequidens sp. "Mitu" scheint auch ein solcher "Problemfall" zu sein. "Erfolgsrezepte" mit denen ich andere Aequidens-Arten züchten konnte, ließen sich bisher nicht erfolgreich anwenden. Aussichten Man kann manchmal schon verzweifeln; Hoffnung und Enttäuschung lösen sich ab, wenn alles von einem einzigen Paar abhängt. Jeden Tag schaue ich besorgt in das Aquarium mit meinen Aequidens aus Kolumbien und hoffe auf den großen "Glückstreffer". In solchen Situationen erinnere ich mich an Aequidens tetramerus aus Ecuador ("Rotbrust- Tetramerus"), von denen ich 1986 nur drei Männchen und ein Weibchen aus einem kleinen Nebenfluß des Rio Aguarico mitbringen und trotzdem erfolgreich vermehren konnte. Das gibt mir die Hoffnung, Aequidens sp. "Mitu" eines Tages doch noch zu züchten und diesen Beitrag durch einen erfolgreichen Zuchtbericht zu ergänzen und den neuen Aequidens vielleicht zu einem Dauergast in unseren Aquarien zu machen. |
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| Literatur | |||||||||||||||
| Kranz, J., C. Schaefer & R. Stawikowvski ( I995) | |||||||||||||||
| Aequidens Eigenmann & Bray, 1894 . In: Deutsche Cichliden Gesellschaft (Hg,): Cichliden. Kaarst | |||||||||||||||
| Kullander, S.O. (1983) | A revision of the South American cichlid genus Cichlasoma. Stockholm | ||||||||||||||
| --- (1986) | Cichlid fishes of the Amazon river drainage of Peru. Stockholm | ||||||||||||||
| Prick, H. (1978) | Auch die Südamerikaner "bringen es". Eine kleine Sensation: Aequidens duopunctata ist Maulbrüter. D. Aqu. u. Terr. Z. (DATZ) 31 (1): 1-2 | ||||||||||||||
| Stawikowski, R: & U. Werner (1988) | |||||||||||||||
| Die Buntbarsche der Neuen Welt. Südamerika. Essen | |||||||||||||||
| Werner, U. (1992( | Fischfangabenteuer Südamerika. Hannover | ||||||||||||||