Satanoperca cf. leucosticta |
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| von Thomas Weidner | |||||||||||
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Es wird wahrscheinlich noch Jahre dauern, bis sich der Name Satanoperca leucosticta bei den Aquarianern durchgesetzt hat. Es wird viele verwundern: Nicht Satanoperca jurupari wurde bei den meisten Aquarianern gepflegt sondern Satanoperca leucosticta. Deshalb sollte vorläufig alles, was weiße oder bläuliche Punkte an Kopf und/ oder Körper trägt als Satanoperca cf. leucosticta bezeichnet werden. Aber es ist natürlich nur zu verständlich, daß Namen, die an Verkaufsbecken angebracht sind auch von den Liebhabern uneingeschränkt übernommen werden. Also wird meist nur von Satanoperca jurupari gesprochen denn er ist nun einmal der bekannteste Vertreter der "Teufelsangeln" wie diese Fische in Brasilien genannt werden (Jurupari pinda = "Teufelsangel"). Wie dem auch sei, meines Erachtens ist Satanoperca leucosticta sowieso der Schönere von beiden aber das ist letztendlich eine Frage des Geschmacks. Satanoperca leucosticta wurde 1849 von Müller & Troschel aus Guyana beschrieben, aber es ist natürlich schwierig, als Aquarianer zu entscheiden bzw . herauszufinden, ob die Tiere die man soeben erworben hat, tatsächlich aus dem Essequibo- und Corantjin-System stammen. Schließlich wurden ähnliche Arten auch in Französisch-Guyana und Brasilien gefangen. Kullander & Nijssen haben 1989 Satanoperca leucosticta aus dem Stondansi- Tal im Nickerie Fluß Gebiet in Surinam beschrieben. Das von Kullander & Nijssen untersuchte Material besitzt zwar eine längere Schnauze und einen gedrungeneren Körper als das von Müller & Troschel beschriebene Typusmaterial aber aufgrund der Bezahnung und der Kiemenmorphologie handelt es sich um ein und dieselbe Art.
Aus Venezuela wurde Satanoperca mapiritensis beschrieben. Auch diese Art zeigt leuchtende Punkte an Kopf und Flanke, die aber, im Gegensatz zu denen von Satanoperca leucosticta, etwas kleiner wirken. Wie man sieht, ist es äußerst schwierig, Fische, deren genaues Herkunftsgebiet unbekannt ist, eindeutig zu benennen. Darum werde ich meine Tiere auch nur als S'atanoperca cf. leucosticta bezeichnen. Als ich 1990 erstmals ausgewachsenc Satanoperca cf. leucosticta im Naturhistorischcn Museum in Braunschweig sah mußte ich einfach Hartwin Kiefel, den Leiter des Aquariums, ansprechen ob die Tiere nicht vielleicht bereits für Nachwuchs gesorgt hätten. Um so erfreuter war ich, als Herr Kiefel auf ein Aquarium mit rund drei Zentimeter großen Jungtieren deutete. Ich griff natürlich sofort zu und nahm sechs Satnoperca cf, leucosticta mit nach Bayern. Da ich vor meiner Abfahrt so etwas bereits ahnte, stand bei meiner Ankunft zu Hause ein 240-Liter-Aquarium bereit, um die Satanoperca und andere Arten, die Herr Kiefel züchtete (ich konnte mich wieder einmal nicht beherrschen) aufzunehmen. Gespannt verfolgte ich das Wachstum der Kleinen, denn ich wollte Satanoperca cf. leucosticta natürlich auch nachzüchten. Das Brutverhalten der Satanoperca-Arten gehört mit Sicherheit zu dem Interessantesten, was die Welt der Fische zu bieten hat, Mit dem Wachstum der Fische konnte man mehr als zufrieden sein, denn nach rund drei Monaten waren sie bereits auf sieben Zentimeter Länge herangewachsen, und nach fünf Monaten nahmcn alle sechs Tiere die Zehn-Zentimeter-Hürde und erfreuten sich bester Gesundheit und eines regen Appetits, Bei dieser Gelegenheit möchte ich aber gleich darauf hinweisen, daß Satanoperca cf. leucosticta (wie die meisten anderen Satanoperca) nicht zu den gierigsten Fressern zählen. Sie kauen im Gegensatz zu Geophagus die Nahrung längere Zeit durch, was bei einer Vergesellschaftung bedacht wcrden sollte. Man kann zum Beispiel mitvergesellschaftete Geophagus mit großen Brocken "beschäftigen" und anschließend kleinere Nahrung für die Satanoperca bereitstellen. Besser ist es natürlich, und für Zuchtversuche unumgänglich, die Tiere unter sich zu halten oder nur einige Salmler als Beifische zu pflegen. Dann kann man auch besser ihr eigentliches Naturell beobachten, und es ist ein faszinierendes Schauspiel, wenn 15 Zentimeter große Tiere selbst den kleinsten Futterbrocken hinterher schwimmen oder behutsam Cyclops " veratmen". Daß man auf feinen Bodengrund zu achten hat sollte selbstverständlich sein. Einige Wurzeln als Unterstände sollten ebenfalls vorhanden sein. Ansonsten braucht man sich für die eigentliche Pflege um nichts zu kümmern. Hierzu reichen Härtegrade unterhalb von 20 Grad dGH, ein pH-Wert zwischen 5 und 6,5 und relativ unbelastetes Wasser (unter 50 Milligramm pro Liter NO3 und natürlich ohne nachweisbares NO2). Die Temperatur sollte auf 25 bis 30 Grad Celsius eingestellt werden. Für den Zuchtansatz hatte ich zwei Männchen und vier Weibchen in ein 200-Liter-Aquarium gesetzt, in dem sich noch zehn Schmucksalmler befanden, um den Satanoperca cf. leucosticta die Schreckhaftigkeit zu nehmen. Ein 40-Liter-Außen-"Biofilter" sorgte für die Reinigung des Aquariums. Täglich wurden 30 Liter durch vollentsalztes Wasser ersetzt, und einmal wöchentlich wurden zehn Liter Leitungswasser zugegeben, um die Wasserwerte zu stabilisieren. Mit dieser Methode konnte ich einen pH-Wert von 6,0 und eine Härte von 2 Grad dGH bei einem Nitratgehalt von fünf Milligramm pro Liter halten. Die Temperatur wurde auf 30 Grad Celsius erhöht. Nun machte ich mich an die eigentliche Arbeit und begann mit der gezielten Fütterung der Satanoperca cf. leucosticta, um sie in Laichstimmung zu bringen, Hierbei ist es von Vorteil, so oft wie möglich täglich kleine Portionen zu verfüttern und das so abwechslungsreich wie irgendmöglich. Auch Grünfutter in Form von Erbsen oder überbrühtem Salat wurde gereicht. Die Tiere zeigten dann eine gerade Bauchlinie und bei den Weibchen sah man auch die sehr stumpfe Genitalpapille. Zu diesem Zeitpunkt waren meine Tiere bereits vier Jahre alt, aber ich kann fast mit Sicherheit behaupten. daß Satanoperca cf. leucosticta mindestens innerhalb des zweiten Lebensjahres laichreif sein dürfte, denn ab diesem Zeitpunkt konnte man bereits Balzspiele beobachten und die Weibchen zeigten nach einer kräftigen Fütterung immer ihre Genitalpapillen. Die Männchen maßen rund 16 Zentimeter, und die Weibchen blieben mit 14 bis 15 Zentimeter Länge etwas kleiner wirkten aber insgesamt etwas gedrungener. An der Beflossung läßt sich kein Geschlechtsunterschied ausmachen. Da es sich bei Satanoperca cf. leucosticta um Substratbrüter handelt, die ein transportables Substrat bevorzugen, wartete ich, bis es Herbst wurde, um ihnen große Ahornblätter anbieten zu können. Einige mindestens handtellergroße Blätter wurden mit heißem Wasser überbrüht und einige Tage gewässert. Nach vier Tagcn wurden zwei Blätter zu den sechs Satnoperca cf. leucosticta in das Aquarium gegeben. Sofort kam Unruhe in das Aquarium, und die Weibchen kämpften um das beste Blatt. Entweder war es der "Neid der Besitzlosen", oder aber ein Blatt hatte es allen gleich angetan. Jedenfalls bemühten sich alle vier Weibchen um ein und dasselbe Blatt. Die Weibchen drohten sich aber nur gegenseitig an. Zu Beißereien kam es erfreulicherweise aber in keinem Fall. Die Männchen hielten nicht sehr viel von all dem Getue und gingen ihre eigenen Wege . Nach zwei Tagen waren die ersten Blätter von den Weibchen zerrupft worden, und die Reste wurden langsam aber sicher unter dem Sand begraben. Kurze Zeit später gab ich erneut vier Blätter in das Aquarium. Aber wieder war eines der Blätter von besonderem Interesse, was das gleiche Ergebnis zur Folge hatte. Drei Bläitter wurden verschüttet, eines zerrissen! Also war es eigentlich egal, wie viele Blätter ich reichte, und um einer unnötigen Verschmutzung vorzubeugen, beschloß ich, immer nur noch ein Blatt zu verwenden. Und siehe da, nach einem fehlgeschlagenen Versuch gelang es einem Weibchen, die Herrschaft über das Blatt zu übernehmen. Von solchem Willen beeindruckt, fühlten sich nun auch die Männchen angesprochen und buhlten um die Gunst des Weibchens. Das Weibchen hatte sich aber scheinbar schon vorher seinen zukünftigen Partner ausgesucht, und so geschah es, dass beide Tiere bald darauf das Blatt putzten. Es wurde dann noch mit den Mäulern in eine ruhige Ecke des Aquariums manivriert und einen Tag später wurde erstmals abgelaicht. Das Weibchen setzte sechs Eier ab, doch anstatt die Eier zu besamen, dachte das Männchen nur an sich und fraß den eben erst abgesetzten Laich sofort auf. Das Weibchen legte noch einige Eierspuren auf dem Blatt ab, doch letztendlich kam es zu einer wahren Freßorgie unter den anderen fünf Tieren, da das Männchen das Blatt nicht verteidigte, was schließlich seine Aufgabe gewesen wäre. Das Weibchen versuchte noch kurz, das Blatt in Sicherheit zu bringen, aber sein Unternehmen war zum Scheitern verurteilt. Die Eier wurden gefressen und was übrig blieb, waren ein leicht verstörtes Weibchen und ein heilloses Durcheinander. Nun war guter Rat teuer, aber Aufgeben gilt nicht. Ich versuchte nun, nach einer "Blattzugabe" ein Pärchen herauszufinden, indem ich einen Tag wartete und beobachtete, welche Tiere den Kampf darum gewinnen. Meine Rechnung ging auf. Am nächsten Tag putzten wieder zwei Tiere das neue Blatt, Nun mußte meine Freundin mir helfen, indem sie das Pärchen nicht mehr aus den Augen ließ, während ich in aller Ruhe die übrigen Tiere herausfangen konnte.
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| Junge S. leucosticta etwa 10 cm | |||||||||||
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Ein paar Kopfstudien adulter Satanoperca leucosticta
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| Das Unternehmen war ein voller Erfolg. Kurz nachdem das Pärchen sich von seinem "Schock" erholt hatte ging es wieder dazu über, das Blatt zu putzen. An diesem Tag geschah jedoch nichts weiter. Insgesamt ließen sich die beiden nun wesentlich mehrZeit für die Vorbereitungen, denn zwei Tage lang wurde geputzt und das Blatt kreuz und quer durch das Aquarium geschleift. Das Ergebnis war letztendlich lediglich ein weiteres zerfetztes, Blatt.
Aber ein Grundstein war gelegt. ein harmonierendes Pärchen in einem Aquarium! Eine Woche später startete ich einen neuen Versuch. Alles lief ab wie beim letzten Mal doch nach drei Tagen wurde es ernst. Das Blatt war noch ganz, und an beiden Tieren konnte ich die Genitalpapille erkennen. Die des Weibchen war stumpf und die des Männchens für seine Größe äußerst spitz und trat drei bis vier Millimeter weit hervor, Das Blatt wurde einige Male in die richtige Position gebracht, wobei sich nun auch das Männchen mehr Mühe gab. Als es dann endlich in einer waagerechten Lage war , wurde gegen 16 Uhr die erste Eierspur abgelegt. Und das Männchen glitt auch noch darüber, um sie zu besamen, Die Eiablage findet nur sehr zögernd statt, und so konnte es passieren, dass nach einer halben Stunde das Blatt von der leichten Strömung ergriffen wurde und in einem Zentimeter Höhe über den Bodengrund schwebte. Beide Tiere versuchten, das Blatt sofort wieder in die Horizontale zu bringen, was ihnen komischerweise nicht gelang. Nach fünf Minuten blieb das Blatt mit den bereits abgelegten Eiern in einem 45-Grad- Winkel liegen. Das schien den beiden zu reichen, und so setzten sie ihre Laichtätigkeit fort. Erst gegen 17,30 Uhr war das letzte Ei besamt worden. Jetzt schien es die "Alten" doch zu stören, und in Gemeinschaftsarbeit sorgten sie dafür, dass das Blatt wieder direkt auf dem Bodengrund lag. Um die Eier zu tarnen, wurde auch vereinzelt Sand darüber gestreut. Abwechselnd standen beide Elterntiere über dem Blatt und fächelten mit den Brustflossen Frischwasser zu. Nicht einmal 24 Stunden später wurden die Eier von beiden Elterntieren aufgenommen, Den genauen Zeitpunkt konnte ich nicht feststellen, da ich zur Arbeit mußte. Da auf dem Blatt keine Eihüllen zurückblieben, handelt es sich wohl um einen ovophilen Maulbrüter, Außerdem kann sich auch rein zeitlich nach 24 Stunden das Periblast nicht um das Ei geschlossen haben. Somit muß das gesamte Ei von einem Elterntier aufgenommen werden. Die nächsten zwei bis drei Tage standen beide Eltern meist unter Wurzeln. Am vierten Tag konnte ich beobachten, dass das Männchen keine Eier mehr im Maul hatte und den Bodengrund durchsuchte. Ich hatte schon Bedenken, dass es die Jungen gefressen hat, aber als zwei Stunden später das Weibchen im Bodengrund herumstöberte, wußte ich, dass die beiden sich abjetzt in der Brutpflege abwechselten, so dass jeder auf die Nahrungssuche gehen konnte. Am fünften Tag, nachdem die Eier ins Maul genommen worden waren, konnte ich beobachten, dass sich die Jungen bei der Übergabe an den Partner einige Zeit im "Freien" aufhalten durften. Der Dottersack war noch deutlich zu sehen. Am sechsten Tag (nach der Eiaufnahme) riskierten die Eltern etwas mehr: Wenn man sich nun langsam vor dem Aquarium bewegte, veranlaßte dies das Weibchen nur zu einem Zucken mit den Bauchflossen, was für die Jungtiere ein Zeichen dafür war, dass sie sich direkt über dem Boden zu sammeln hatten. Tat man nun einen Schritt auf das Aquarium zu, senkte das Weibchen den Maulboden, öffnete das Maul und ließ die Jungen einschwimmen. Das eigentliche Führen und Behüten der Jungen übernahm fast ausschließlich das Weibchen. War aber das Weibchen mit dem Aufnehmen der Jungen beschäftigt, stürzte das Männchen geradezu herbei, stellte sich mit geöffnetem Maul dem Weibchen gegenüber auf, und ließ die Jungen ebenfalls einschwimmen. Waren die Jungen allesamt aufgenommen, dauerte es am Anfang mindestens eine halbe Stunde, bis die Kleinen wieder entlassen wurden. Nach drei Tagen aber wurden die Kleinen bereits nach wenigen Minuten wieder entlassen. Die Jungen nehmen sofort frisch geschlüpfte Artemien an, die ich bereits am ersten Tag, als sie erstmals aus dem Maul entlassen wurden reichte. Bei kräftiger Fütterung hatten die Jungtiere schon nach einem Monat die Zwei-Zentimeter-Hürde genommen, wobei die Umstellung von Lebendfutter auf totes bzw. gefrorenes Futter nicht sehr leicht war. Erst nach wiederholten Versuchen gelang es mir nach drei Wochen sie an Lobster-Eier zu gewöhnen, und nach einer weiteren Woche fraßen sie dann schon Bosminiden, wobei Cyclops bis heute verschmäht werden. Haben sie dann aber eine Größe von zwei Zentimetern erreicht, kann man tiefgefrorene Artemien verfüttern. Das sollte man aber äußerst sparsam tun, denn die Kleinen haben noch keinen "Realitätssinn" und versuchen, alles in sich hineinzustopfen, was dann zu Darmverschlüssen oder Darminfektionen führen kann. Besser ist es weiterhin mehrmals täglich Kleinstfutter zu reichen. Die weiß-bläulich irisierenden Punkte sieht man erst ansatzweise bei drei bis vier Zentimeter großen Jungfischen, Zunächst bemerkt man sie auf dem Kopf, und wenn die Kleinen eine Größe von sechs Zentimetern erreicht haben, breiten sie sich über den gesamten Körper aus. Wenn man für eine gedämpfte Beleuchtung sorgt, besitzt man funkelnde Juwelen im Aquarium. |
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