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Und auch mir erging es damals so, als ich zum ersten Mal diese Tiere im Zoofachhandel sah. Obwohl bereits 1991 Christoph Seidel und Rainer Harnoß diese Art im Tapajos unterhalb von Itaituba und bei Alter do Chào fanden und damals erstmals mitbringen konnten, dauerte es schließlich bis etwa 1995, als auch der gewerbliche Import regelmäßig gelang. Inzwischen sind wir aber scheinbar wieder auf die in der Zwischenzeit geIungenen Nachzuchten angewiesen, da neuere Importe selten geworden sind. Obwohl der Rio Tapajos mehrere tausend Kilometer vom Atlantik entfernt liegt, macht sich auch bei Santarem noch der Einfluß der Gezeiten bemerkbar und so schwankt der Wasserstand im Tagesverlauf um etwa 40 Zentimeter. Während der Niedrigwasserzeit besteht das Flußufer des Mündungssees am Rio Tapajos hauptsächlich aus Sand, mit teilweise schlammigen Untergrund. Zur Zeit des größten Niederschlag steigt der Wasserstand aber bis zu zwölf Meter, und somit werden die baumbestandenen Uferzonen vom Wasser überflutet. So muß man zwar die Sandzone als bevorzugten Lebensraum betrachten, aber es werden wahrscheinlich ebenso überflutete Bereiche mit Holzeinlagerungen aufgesucht. Natürlich sind auch im Hauptlauf, der niemals trocken fällt, Wurzeleinlagerungen in Form von abgesunkenen Treibholz oder größere Steine und zum Teil auch Felsen vorhanden, die als Schutz dienen. Ganzjährig submers wachsende Pflanzen fehlen im Rio Tapajos, da die Trübung des Wassers keinen Pflanzenwuchs zuläßt. Das Wasser strömt nur mäßig. Der pH-Wert liegt immer deutlich im sauren Bereich (pH 6,2 bis 6,8). Eine Härte ist kaum nachzuweisen und die Leitfähigkeit liegt deutlich unter 50 mS/cm. Die Wassertemperatur bewegt sich im Jahresmittel um 28 °C und schwankt um maximal +/- 2 °C. Weiter flußaufwärts bei Itaituba fällt der Einfluß der Gezeiten nicht mehr ins Gewicht, aber auch hier findet der enorme Anstieg des Wasserstands während der Regenzeit und die damit einhergehende Veränderung des Lebensraumes statt. Auffälligstes Merkmal dieser Geophagus-Art ist sicherlich die orangefarbene Stirn. Aus dem Einzugsgebiet des Rio Tocantins ist eine ähnliche Art bekannt geworden. Doch wenn man genau hinsieht, kann man zwischen beiden Arten kleinere Unterschiede entdecken. Und so zeigt Geophagus sp. " Tapajos - Orange Head" einen rundlicheren Seitenfleck, der unterhalb der oberen Seitenlinie liegt und auf Höhe der waagrecht verlaufenden Körperachse endet. Außerdem zeigt diese Art entlang der Laterallinie eine bis zu ein Zentimeter breite, horizontal verlaufende dunkle Bande. Geophagus' sp. "Tapajos - Orange Head" besitzt auf den Flanken ein feines Muster vertikal verlaufender Binden, die sehr eng stehen. Diese Binden verlaufen vom Rücken zum Bauch hin und können sich auf Höhe der Laterallinie teilen, so daß ein umgedrehtes V entstehen kann. Außerdem ist Geophagus sp. "Tapajos - Orange Head" etwas hochrückiger. Bei beiden Arten sind die Flossen rötlich und zeigen bläulich irisierende, horizontal verlaufende Streifen. Die Körpergrundfärbung ist ein Gelb, das aber bei günstigem Lichteinfall einen grünbläulichen Schimmer aufweisen kann. Die Geschlechter können nur sehr schwer unterschieden werden, denn es handelt sich hierbei um eine geschlechtsmonomorphe Art. Zu Anfang, als nur wenige Tiere importiert worden waren, vermutete man, daß die Intensität der Orangefärbung der Stirn eventuell geschlechtsspezifisch sein könnte, aber nachdem größere Stückzahlen importiert wurden, mußte diese Formulierung relativiert werden. Die Intensität der Orangefärbung ist ausschließlich abhängig von der sozialen Stellung, dem Wohlbefinden und der Stimmung des Tieres. Exemplare mit heute intensiv gefärbter Stirn, die sich möglicherweise in Brutstimmung befinden, können wenige Wochen später nur noch einen blassen Hauch auf der Stirn zeigen. Ebenso verblaßt das Orange stark bei der Hälterung in härterem, alkalischem Wasser. Sicherer ist die Unterscheidung der Geschlechter anhand der Flossenausprägung und des Körperbaus, wobei natürlich nur fast adulte Tiere gesicherte Aussagen zulassen. Männchen besitzen insgesamt die spitzeren und länger ausgezogenen Flossen und werden mit maximal 20 bis 22 zentimeter etwas größer. Weibchen werden in der Bauchregion relativ schnell korpulent. Die Papille des Weibchens ist stumpf und rundlich, während das Männchen eine längere und spitzere Laichpapille zeigt..Die Pflege von Geophagus sp. " Tapajos Orange Head" unterscheidet sich kaum von der anderer Arten der Gattung. Zu beachten ist allerdings, dass diese Art trotz ihrer relativ geringen Größe ein selbstbewußtes Auftreten und einen großen Bewegungsdrang besitzt, so daß man sie auf Dauer nur in Aquarien ab einer Kantenlänge von 150 Zentimeter halten sollte. Vor allen Dingen während der Brutphase können sie sich durchaus Respekt verschaffen und auch größere Arten zurückdrängen. Besonders Artgenossen haben dann einen schweren Stand. Deshalb sollten einige Deckungsmöglichkeiten in Form von Wurzeln oder Steinen vorhanden sein, die als Sichtschutz und Rückzugsmöglichkeiten dienen können. Pflanzen werden zwar nicht gefressen, aber da diese Gesellen hin und wieder etwas ungestüm sein können, sind härtere Gewächse zu empfehlen. Will man diese Erdfresser erfolgreich pflegen und vielleicht auch vermehren, braucht man nicht zwangsläufig weiches und saures Wasser bereitzustellen. Das würde den Tieren und den natürlichen Begebenheiten sicherlich mehr entgegenkommen, aber auch bis zu 20 °dGH hartes und leicht alkalisches Wasser (bis pH 8,0) hält Geophagus sp. "Tapajos - Orange Head" meist nicht von einer erfolgreichen Nachzucht ab. Geophagus sp. " Tapajos - Orange Head" ist ein larvophiler, biparentaler Maulbrüter, der als Laichsubstrat einen flach auf dem Boden, und meist separat liegenden Stein auswählt, was man bei der Dekoration berücksichtigen sollte.
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| Findet er kein solches Substrat, dann wird er mit der Zeit auch andere Möglichkeiten finden, an denen er seine Laichkörner schließlich anheften kann. Die Tiere scheinen in gewisser Weise auch lernfähig zu sein, denn nachdem bei mir in Bodennähe den Elterntieren keine erfolgreiche Aufzucht gelungen war, laichten die Tiere später auf der horizontalen Fläche einer Wurzel nur fünf Zentimeter unter der Wasseroberfläche ab. Aber auch senkrecht stehende Gesteinsplatten sind nicht sicher vor einer erfolgreichen Eiablage. Das Laichsubstrat wird hauptsächlich vom Weibchen intensiv geputzt, und um das Substrat werden oftmals auch kleinere Kuhlen angelegt. Das Ablaichen geschieht in typischer Offenbrütermanier, was heißen soll, daß in gerader Richtung zunächst die Eier vom Weibchen schubweise abgesetzt und anschließend vom Männchen ebenfalls in gerader Richtung besamt werden. Ein Umkreisen während der Eiablage findet nicht oder nur sporadisch statt. Vielmehr versucht das Männchen die Eier sofort bei der Ablage in Parallelstellung zu befruchten und oftmals gleiten beide Geschlechter gleichzeitig über das Substrat. Die ein bis zwei Millimeter messenden Eier sind weißlich bis rosa und wirken insgesamt trübe. Nach rund drei Tagen werden die Larven aus den Eihüllen befreit und anschließend sofort von beiden Elterntieren ins schützende Maul genommen. Es folgt hin und wieder ein Austausch der Larven, so daß es beiden Elternteilen ermöglicht wird, zu fressen. Die Übergabe erfolgt meist in den vorher angelegten, flachen Gruben. Schwimmen die Larven nach acht bis zehn Tagen frei, kann bereits mit der Anfütterung mit Artemia-Nauplien begonnen werden. Die Eltern versuchen den Jungfischschwarm noch einige Tage in den vorher genannten Gruben zusammenzuhalten und nehmen den Schwarm sowohl zur Nacht als auch bei Gefahr auf. Aber mit jedem Tag wird die bis zu 200 Individuen zählende Nachkommenschaft aktiver, und nach rund zehn Tagen erlischt die Brutpflege. Spätestens ab diesem Zeitpunkt sollte man einige Jungtiere abgesaugt haben und separat aufziehen. Die Jungfische wachsen nicht sonderlich schnell aber trotzdem werden bereits nach etwa drei Wochen Lobstereier oder Bosmiden genommen. Abschließend sei noch darauf hingewiesen, daß dieser Erdfresser mit unterschiedlichen Namen im Handel und in der Literatur auftaucht. Meist wird von Geophagus sp. "Tapajos - Orange Head" oder Geophagus sp. "Red cheek Tapajos " gesprochen, die sicherlich passend für diesen Cichliden sind. Hin und wieder wird auch nur von Geophagus sp. "Tapajos" gesprochen, wobei in diesem Fall nicht ganz eindeutig ist, welcher Geophagus aus dem Tapajos gemeint ist, gibt es doch im Rio Tapajos neben Geophagus altifrons und der hier vorgestellten Art noch weitere, bisher unbeschriebene Geophagus - Arten.
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