Vieja zonata (Meek, 1905)
von Lutz Krahnefeld
In letzterZeit wurde in der DCG Info mehrmals darüber geklagt, dass die Verbreitung amerikanischer, insbesondere mittelamerikanischer, Großcichliden in deutschen Aquarien stark rückläufig sei und einige Arten und Gruppen in ihrem aquaristischen Bestand als gefährdet einzustufen seien. Neben den "Guapotes" sind vor allem die Arten der Gattung Vieja von dieser Entwicklung betroffen.

Angesichts der politischen und ökologischen Entwicklung in ihren Herkunftländern ist es an der Zeit nicht nur bestimmten Arten nachzujagen, solange sie noch "Neu" sind, sondern sich intensiver um ihre dauerhafte Haltung und Vermehrung zu kümmern, bevor die natürlichen Quellen eines Tages versiegen.

Obwohl es sich um eine der etwas kleineren, keinesfalls aber weniger farbenprächtigen Arten der Gattung handelt, hat sich Vieja zonata nie in ähnlicher Weise aquaristisch durchsetzen können wie beispielsweise Vieja synspilum. Das hängt sicher einerseits damit zusammen, dass V. synspilum am Anfang der ,"Invasion der Riesen" stand, hat aber seine Ursachen andererseits gewiß auch im Verhalten von V. zonata. So beschrieb einer der Erstimporteure entmutigt die Fehlschläge bei den Zuchversuchen mit den mitgebrachten Tieren, die sich bei mehreren Aquarianern als innerartlich außerordentlich aggressiv herausstellten, so dass zu befürchten war, dass die Art schon bald wieder verschwinden würde. Soweit ist es glücklicherweise noch nicht gekommen, aber aquaristischen "Seltenheitswert" besitzt V. zonata heute allemal. Erschwerend kommt noch hinzu, dass oftmals verschiedene andere Arten unter dem Namen V. zonata gehandelt wurden und werden.

An dieser Stelle sei noch einmal daran erinnert, dass die hundertprozentige Identifizierung der Art anhand der aus heutiger Sicht undetaillierten Erstbeschreibung nicht möglich ist, weil es eben mehrere untereinander sehr ähnliche Arten gibt. Außerdem war die Gültigkeit der Art lange Zeit umstritten, und das Taxon wurde der Art Vieja guttulata zugeordnet. Da die Fänger 1983 jedoch in dem von Meek angegebenen Vorkommensgebiet (bei Niltepec in der Provinz Oaxaca, Mexiko) immer nur Tiere einer Form fanden läßt sich deren Bestimmung als Angehörige der Art V. zonata durchaus nachvollziehen.

Allerdings sind in letzter Zeit erneut farblich abweichende Fische unbekannter Herkunft wie auch Abbildungen von solchen Tieren aufgetaucht ohne eingehende Prüfung und ohne Kenntnis der genauen Herkunft ist es meiner Ansicht nach blanke Spekulation, darüber zu entscheiden, ob es sich bei diesen Buntbarschen um weitere Populalionen von V. zonata oder um andere Arten handelt, zumal mitunter sogar nur Schwarzweiß-Aufnahmen vorliegen, die in einem Fall lediglich ein halbwüchsiges Tier zeigen, oder Farbfotos ungenügender Qualität. Es bleibl also eine gewisse Unsicherheit bezüglich der korrekten Zuordnung. Außerdem habe ich selbst auch schon einmal auf ein von Meek ausdrücklich erwähntes, bei "unseren" V. zonata jedoch nicht vorhandenes schwarzes Zeichnungs-element hingewiesen. Bis zur hoffentlich endgültigen Beseitigung dieser Unklarheiten halte ich es derzeit für richtig, nur die von Stawikowski & Werner 1983 gefangenen Fische als V. zonata zu bezeichnen, und beziehe mich im folgenden auch nur darauf. Diese Buntbarsche leben ausschließlich in Flüssen, die in den Pazifik entwässern. Die früher von Stawikowski & Werner angegebene Höchstlänge von knapp über 20 Zentimetern trifft nicht zu. Schon Staeck & Linke erwarten eine Größe von "über 25 cm". Tatsache ist, dass V. zonata-Männchen im Aquarium etwas über 30 Zentimeter lang werden können.

Weibchen bleiben mit rund 27 Zentimetern etwas kleiner und werden nicht annähernd so hochrückig. Äußere Geschlechlsunterschiede sind nicht festzustellen Allerdings zeigen die Weibchen, sobald sie mit der Balz beginnen, mehrere kleine, schwarze Flecke im hartstrahligen Teil der Rückenflosse". Kürzlich entdeckte ich einen weiteren Unterschied an ausgewachsenen Tieren. Der aus dem Kopf herausstehende Teil des Augenringes ist beim Männchen mit einigen braunen Punkten (wie auf den Kopfseiten) versehen, beim Weibchen dagegen völlig ungepunktet. Allerdings verfüge ich zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Aufsatzes über keine weiteren Vergleichstiere, um feststellen zu können, ob dieses Merkmal allgemeingültig ist.

Die Enden der unpaarigen Flossen sind bei beiden Geschlechtern rund. Eine Beschreibung der Körper- und Flossenfärbung ist ziemlich schwierig, doch gibt es inzwischen mehrere Abbildungen, die in dieser Hinsicht aussagekräftig sind. Typisch für V. zonata ist die überwiegend rote Schwanzflosse" Mehrere Formen der unter der nicht zutreffenden Bezeichnung V. guttulata gehandelten Cichliden besitzen dagegen nur einen etwa einen Zentimeter breiten Saum.

Das namensgebende schwarze Längsband von V. zonata ist charakteristisch für erschreckte und unterlegene Exemplare sowie für Jungfische bis zu einer gewissen Größe. Sonst zerfällt es in sehr viele kleine, schwarze Punkte. Unterhalb des in Tüpfel aufgelösten Bandes kann der gesamte Bauch ebenfalls schwarz gepunktet sein (zeilen- oder reihenförmig). Insgesamt sind gerade diese schwarzen Zeichnungselemente sehr von der jeweiligen Stimmung der Fische abhängig.

Innerhalb einer Gruppe heranwachsender V. zonata ist immer das größte und stärkste Tier der "Chef", und zwar unabhängig von seinem Geschlecht. Demzufolge ist die Fortpflanzung erst dann zu erwarten, wenn ein Männchen zum stärksten Tier geworden ist. Das klingt zwar banal, war aber bei meinen Tieren anfangs von Bedeutung, weil ein etwas größeres Tier seinen Vorsprung lange hielt und sich später als Weibchen entpuppte. Obwohl es, als es geschlechtsreif geworden war, die kleineren Männchen anbalzte und auch zweimal ablaichte, gelang die Fortpflanzung erst, als die Männchen das Tier größen und kräftemäßig überrundet hatten und endlich die ihnen zugedachte Rolle bei der Vermehrung spielen konnten.

Vieja zonata verfügen über einen großen Bewegungsdrang. Im Gegensatz zu verschiedenen anderen Arten der Gattung oder zu den Guapotes streifen sie fast ständig durch ihr Revier zumindest dominierende Tiere. Als "Revier" betrachten diese Buntbarsche natürlich das gesamte Aquarium! Es ist schon amüsant zu beobachten, wie ein solches Männchen ganz nach dem Motto: "Nur keinen Streit vermeiden"! - immer wieder versucht, auch in die hintersten Ecken zu gelangen, die ihm durch gleich große oder größere Mitbewohner verwehrt bleiben. Dabei riskiert es auch, sich einmal einen ordentlichen Hieb einzufangen, aber dann geht es erst richtig los!

Die kräftigen Farben lassen schon vermuten, dass V. zonata in der Lage sind, ziemlich große Reviere zu besetzen und von Konkurrenten frei zu halten. Leider gehen die Fische dabei wesentlich intensiver zu Werke als andere Arten der Gattung. Das hat zur Folge, daß eine Vergesellschaftung auf die Dauer nur in sehr geräumigen Aquarien und mit großen, möglichst weniger schwimmfreudigen Arten gelingt.

lst die richtige Gesellschaft eines V. zonata-Aquariums schon schwierig, so treten die gleichen Probleme bei der Fortpflanzung auf. Unübersehbar werden die Weibchen äußerst temperamentvoll umworben und angebalzt, aber das Männchen bleibt immer "Chef". Sollte es zu Auseinandersetzungen kommen, zieht das Weibchen, trotz aller Gegenwehr, stets den kürzeren. Und dabei wird der große Revieranspruch des Männchens zur Falle: Im Aquarium kann das Weibchen das Territorium ja nicht verlassen (so große Aquarien, in denen das möglich isl, gibt es höchstens in manchen Zoos). Das Weibchen wird im Männchen-Revier zur Fortpflanzung nur geduldet. Noch nicht laichbereite Weibchen sind das bevorzugte Suchobjekt. Für sie ist es eminent wichtig, dass sich das Männchen an anderen Tieren "abreagieren" kann. Deshalb führt ein paarweiser Ansatz - meiner Ansicht nach zwangsläufig - zum Verlust des Weibchens.

Sehr vorteilhaft ist es, mehrere Weibchen in einem Aquarium zu pflegen. Da auch unter den Weibchen eine von der Körperstärke, vor allem jedoch von der Fortpflanzungsbereitschaft abhängige und daher durchaus veränderbare Hackordnung besteht, hat das jeweils an der Spitze dieser Hierarchie stehende Weibchen eine ganz andere Position, und das schwächste wird vom Männchen nur wenig behelligt, weil dessen Hauptinteresse die Vermehrung ist.

Aber leider ist auch dann noch kein Erfolg garantiert. Mehrfach mußte ich beobachten, dass das sich heftig wehrende Weibchen kurz nach dem Ablaichen oder am Tag darauf brutal vom Gelege vertrieben wurde, das dann vom Männchen allein weiterbetreut wurde. In solchen Fällen gelang es keinem einzigen Jungfisch, den Zeitpunkt des Freischwimmens zu erleben. Zu einer solchen Vertreibung kam es lediglich bei den ersten beiden Gelegen (mit zwei verschiedenen Weibchen) nicht, danach aber fünfmal hintereinander Beim sechstenmal geschah sie unmittelbar vor dem Ausschalten der Beleuchtung am Abend und am nächsten Morgen war das Weibchen, wenn auch ziemlich ramponiert wieder dabei. Als wäre überhaupt nichts geschehen wurde dieses Gelege mustergültig betreut. Ich habe für dieses Verhalten keine Erklärung; Feindfische waren jedenfalls in ausreichender Zahl vorhanden.

Gelaicht wird sowohl nach typischer Offenbrütermanier auf einem relaliv frei liegenden Substrat (Stein), aber auch häufig in einer Höhle (liegender Blumentopf, darin jedoch auf dem Boden und an den Seiten). Die Larven schlüpfen, abhängig von der Wassertemperatur, nach 72 bis 110 Stunden und schwimmen nach weiteren sieben bis neun Tagen frei.

Junge V. zonata sind freßgierige Fische und ohne Mühe aufzuziehen. Sie benöntigen aber viel Platz, reichlich Futter (auch pflanzliches) und sauberes Wasser. Wie kaum eine andere mir bekannte Art quittieren junge V. zonata eine mangelhafte Wasserqualität und/oder zu enge Aufzuchtbehälter mit Flossenfehlern und Rückratverkrüppelungen. Bereits ab vier Zentimeter Länge läßt sich deutlich die Rotfärbung der Schwanz- und Brustflossen erkennen.

Jungfische vieler Vieja-Arten sind, vor allem wenn sie keine dominierende Rolle unter ihresgleichen spielen können schwer bis unmöglich voneinander zu unterscheiden. Nur V. zonata lassen sich in dieser Größe sicher erkennen - als einzige weisen sie nämlich rosafarbene bis rote und keine farblosen oder gelblichen Brustflossen auf. Die enge Verwandtschaft mehrerer Vieja-Arten untereinander wird auch dadurch deutlich, dass der für V. fenestrata charakteristische schwarze Flecken hinter dem Kopf oberhalb des Kiemendeckels an ähnlicher Stelle, jedoch wesentlich stimmungsabhängiger und im Einzelfall auch in anderen Farben bei V. zonata, V. bifasciata, V. synspilum und verschiedenen Varianten der fälschlich V. guttalata genannten noch nicht beschriebenen Art auftritt. Demgegenüber zeigen die Arten V. regani, V. argentea und V. breidohri nie einen solchen Fleck.

Mehrfach wurde bei Aquarientieren von V. zonata eine auffällig große Affinität zu Exemplaren von V. fenestrata festgestellt, und zwar trotz der Anwesenheit artgleicher Geschlechtspartner; angesichts der abgegrenzten Vorkommensgebiete in Mexiko sicher eine bemerkenswerte Beobachtung. Bei der Aquarienhaltung zu beachten ist das ausgezeichnete Sprungvermögen sämtlicher Vieja-Arten. ln die Enge getrieben orientieren sich diese Fische weniger zum Bodengrund, sondern viel stärker zur Wasseroberfläche. Ist diesem Verhalten bei Jungfischen mitteIs gut schließender Deckscheiben ziemlich einfach Rechnung zu tragen, darf man die Körpermasse erwachsener Tiere nicht unterschätzen. Ein nur lose aufliegender Glasstreifen von etwa 15 X 33 Zentimetern (drei Millimeter stark) in der Nähe der Futterstelle war für ein in Panik geratenes Männchen kein Hindernis. Im Sprung hob es ihn an und landete daneben auf der Deckscheibe, während der Glasstreifen in seine ursprüngliche Lage zurückfiel. Glücklicherweise war ich zu Hause und hörte das laute Scheppern... Unproblemalisch ist die Ernährung. Vieja zonata frißt alles von Lebend- über Frost- bis Trockenfutter (Flocken, Sticks sowie eine große Palette vegetabilischer Frischkost. Abschließend verkneife ich es mir, die Art als besonders aquarientauglich und empfehlenswert anzupreisen denn "pflegeleicht" ist sie garantiert nicht. Erwachsene Tiere sind aufgrund ihrer Ansprüche keine Fische "für Nebenbei", und manchmal braucht man schon starke Nerven! Viel Platz, sorgfältig ausgewählte Aquarienmitbewohner und reichlich weibliche Artgenossen - das etwa dürfte die "Formel" für eine dauerhafte erfolgreiche Haltung und Vermehrung dieses außerordentlich farbenprächtigen Cichliden sein. Apropos "farbenprächtig". Oftmals sind die veröffentlichten Fotos ja schöner als die dazugehörigen Fische. Ich habe aber noch kein V. zonata-Foto gesehen das die wirkliche Farbenpracht dieser Art vollkommen wiedergibt.


Literatur
Buchhauser, P. (1995) Nochmals: "Cichlasoma" zonatum und "C" guttulatum. DCG Information 26 (I): 15-19
Krahnefeld, L. (1993) Anmerkungen zu: "Cichlasoma" zonatum (DCG Info 9/93) DCG Info 25 (I): 22-24
Meek, S.E. (1905) A collection of fishes from the Isthmus of Tehuantepec. Proc. Soe. Washington 18: 243-246
Sesselmann, U. (1995) "Cichlasoma" cf. guttulatum (Vieja cf. guttulata), ein sanfter Großcichlide aus Guatemala. DCG Info 26 (3) 49-53
Staek, W. & H. Linke (1985, 1995) Amerikanische Cichliden II. Große Buntbarsche. Melle
Stalsberg, A. (1993) "Cichlasoma" zonatum. DCG Info 24 (9) 195-200
Stawikowski, R. (1986) Wenig Freude mit Cichlasoma zonatum Meek, 1905. DCG Info 17 (8) 151-155
- & U. Werner (1985) Die Buntbarsche der Neuen Welt - Mittelamerika. Essen.